Annette Auch-Schwelk – Das Ich-bin-Ich-Prinzip: Der Erlebnisbericht

Das Wichtigste in Kürze


  • Füll auf:
    Sorge gut für Dich und behandle Dich wie einen guten Freund
  • Mach den Boris:
    Ziehe Kraft aus einer energiereichen Geste
  • Und los:
    In Dir steckt schon alles, was Du brauchst. Geh los!

Ganz anders

Es ist wieder GEDANKENtanken-Trainerausbildung. Das gesamte Wochenende steht unter dem Motto „Coaching für Trainer“. Klares Kontrastprogramm zum letzen Seminar-Wochenende im Februar, als es rund ums Verkaufen ging.
Dr. Stefan Frädrich, Gründer von GEDANKENtanken, kündigt die heutige Trainerin mit strahlenden Augen an. Er präsentiert Annette Auch-Schwelk als die „eierlegende Allzweckwaffe, was Coaching angeht“. Besonders beeindruckt ist er davon, dass sie jahrelang Tantra gemacht hat und auch als Sexualpädagogin arbeitet.

Die Pfütze, die man Leben nennt 

Hoppla! Das Wasserglas, das Annette Auch-Schwelk in der Hand hält, war doch eben noch ganz voll. Vor ihr auf dem schönen Hotelteppich ist ein kleiner See entstanden. Mit jedem Satz hat sie einen Schluck Wasser auf den Boden geschüttet. Das waren so Sätze wie „mein Ex-Freund Ulf*“ (*Name von der Redaktion geändert).
Das Glas ist voll leer
Es gibt also Ereignisse im Leben, die dafür sorgen, dass unser Wasserglas immer leerer wird. Irgendwann stehen wir dann mit einem leeren Glas da und laufen – so wie jetzt Annette Auch-Schwelk – von Pontius zu Pilatus (oder von Teilnehmerin zu Teilnehmer) und bitten diese, doch „Bitte, bitte!“ unser Glas aufzufüllen.
„Was mache ich, wenn ich merke, dass mein Wasserglas leer ist?“ lautet ihre erste Frage, die direkt zum Nachdenken anregt.

Frau im Spiegel

Kurze Zeit später folgt die nächste Frage dieser Art: „Wie guckst Du Dich im Spiegel an?“ Viele Menschen behandeln sich nicht gut und reden mit sich schlimmer als mit ihrem ärgsten Feind. Diese innere Stimme kann richtig fies zu uns sein. Einen ersten Notfalltipp hat sie für uns parat: „Sagt doch mal jeden Morgen vor dem Spiegel zu Euch: ‚Hey, wer bist Du denn? Lust auf ein Date?‘“

Auf der Reise zu sich selbst

Bevor es weiter geht, stellt sich Annette Auch-Schwelk erst mal vor. „Gottes Gabe ist der Schwabe“, verkündet sie mit einem verschmitzten Lächeln. Geboren in Leinfelden-Echterdingen, machte sie sich schließlich mit knapp 30 Jahren auf in die weite Welt. Zu der Zeit hatte sie schon eine Karriere als Führungskraft in der Trainingsabteilung eines großen Konzerns hinter sich und hatte viele renommierte Trainer kennen lernen dürfen. Damals war in Seminaren immer die Rede von „Geh raus aus Deiner Komfortzone!“. Das hat sie wörtlich genommen und ist ihrem größten Wunsch gefolgt: Die Welt bereisen.

Die Menschenfühlerin

Annette Auch-Schwelk ist ein Profi im Netzwerken. Deshalb ist es ihr auch leicht gefallen, nach ihrer Weltreise wieder einen Job zu finden. Sie wollte jetzt selbst als Trainerin arbeiten.
Für sie ist Persönlichkeitsentwicklung ein Herzensthema. Seit vielen Jahren coacht und trainiert sie nun vornehmlich Führungskräfte und Vorstände (die ja auch Führungskräfte sind). Was sie dabei besonders auszeichnet, ist ihre Gabe, sich schnell in Menschen hineinzufühlen und die richtigen Fragen zu stellen.

Heiteres Kennenlernen

In diesen Seminaren mit ca. 50 Teilnehmern wird meist auf eine Vorstellungsrunde am Anfang verzichtet. Das ist heute anders. Annette Auch-Schwelk möchte wissen, mit wem sie es heute zu tun hat. Zunächst stellen wir uns auf die eine oder andere Seite des Raums, je nachdem, ob wir schon Erfahrung als Trainer oder Coach gesammelt haben oder nicht. Nach dieser aktiven Kennenlernübung dürfen wir uns wieder setzen (eine Einladung, der wir uns nicht widersetzen) und ergänzen den Satz „Heute wird es ein guter Seminartag, wenn … erfüllt wird“. Spannend zu hören, welche Erwartungen oder auch Nicht-Erwartungen die einzelnen Teilnehmer haben. Häufig fällt das Wort „Werkzeugkoffer“ oder auch „Tools.“ Für einen Teilnehmer (Name der Redaktion bekannt) wird es ein guter Seminartag, wenn er am Abend mit vielen guten Leuten und Gedanken beruhigt ins Bett gehen kann. Na, das kann ja heiter werden!
Annette Auch-Schwelk verschafft sich einen Überblick über die Teilnehmer

Trainer, Berater, Coach

Bevor ich näher auf das Thema Coaching eingehe, gebe ich die Definition von TBC (Trainer, Berater, Coach) frei nach Annette Auch-Schwelk wieder:
Trainer: bringt anderen was bei
Berater: beide (Berater und Beratener) haben Know-How, sie ergänzen sich
Coach: alles Wissen hat der Klient schon, Coach hilft das zu entdecken
Heute sind wir Teilnehmer in der komfortablen Situation, dass wir ein Seminar von einer erfahrenen Coachin (oder wie ist die weibliche Form von Coach?) erhalten, die früher auch viele Seminare gegeben hat. Ich bin gespannt!
Natürlich könnte man die Kombination aus Trainer und Coach auch so verstehen: Wir bekommen heute das beigebracht, was wir schon wissen.  Der Begriff „Coach“ kommt übrigens vom englischen Wort für Kutsche oder Kutscher. Passt gut, denn auch der Kutscher hilft dem Fahrgast, an sein Ziel zu kommen.

Einfach dreimal in die Hände klatschen!

Nach dieser Begriffsklärung wird es Zeit für eine erste Gruppenübung. Die Gruppen erarbeiten Antworten zur Fragestellung „Was braucht ein guter Coach?“
Es entstehen mehr oder weniger bunte Bilder und Auflistungen am Flipchart. Die Gruppen präsentieren nach und nach die Fähigkeiten und Eigenschaften eines guten Coaches.
Dann schlägt die Stunde meiner Gruppe. Wir haben einen etwas anderen Ansatz gewählt. Mein kongenialer Spielpartner (nennen wir ihn Marko) und ich spielen eine kleine Szene, wie ein optimales Coaching ablaufen sollte. Der Coach (ich) sitzt an seinem großen Schreibtisch, der Coachee weiter weg auf seinem Stuhl, der Coach hört dem Coachee nicht zu, unterbricht ihn andauernd und erzählt am liebsten von sich. Eine allgemeingültige Erfolgsmethode hat der Coach auch, die dem Coachee in allen Situationen helfen wird: Einfach 3x kräftig in die Hände klatschen. Probier’s mal aus!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nicht jeder Mensch Ironie so gerne mag wie ich, deshalb löse ich schnell auf: Natürlich haben wir vorgespielt, was ein richtig schlechter Coach machen würde.
Während der Applaus für unsere Aufführung langsam abebbt, setzen wir uns wieder, um den Worten von Annette Auch-Schwelk zu lauschen.

Offen sein und die eigenen Grenzen kennen

Sie erzählt von ihrem Coachingstil. Sie geht vor allem offen und ehrlich mit ihrem Gegenüber um. (Mit einem Augenzwinkern zitiert sie ihren Trainerkollegen Rene Borbonus: „Wer allzu offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“)
Offenheit kann bedeuten, dass sie in einem Gespräch klar kommuniziert, wenn sie mal nicht weiter weiß: „Ich komme gerade nicht weiter. Wie geht’s Ihnen damit?“
Meist hat allein das schon eine Reaktion des Coachees zur Folge und das Gespräch kann weitergehen. Für sie ist es wichtig, ihre Grenzen zu kennen. Auch uns fordert sie dazu auf, klar zu haben, wo unsere Grenzen sind und diese konsequent einzuhalten.

Coaching mit normal neurotischen Menschen

Aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Punkt. Ein Coach ist nicht ein Therapeut. Wenn es zu sehr ins Traumatische und Pathologische geht, würde ich als Coach das Coaching unterbrechen und herausfinden wollen, ob mein Coachee bei einem professionellen Therapeuten besser aufgehoben ist.
Ähnlich macht es auch Annette Auch-Schwelk, die allerdings auch über eine solide Therapieausbildung verfügt. Sie betont, dass sie mit normal neurotischen Menschen arbeitet und eben keine Therapie anbietet. Mit den normal neurotischen Menschen sind also auch wir Teilnehmer im heutigen Seminar gemeint, verstehe…
Was auch helfen kann, wenn es mal im Coaching nicht vorangeht: Sich selbst mal kurz rausnehmen und den Mut zur Pause haben. Und was machen wir jetzt im Seminar? Richtig, Pause!

Der neugierige und respektvolle Forscher

Nach der Pause geht Annette Auch-Schwelk mit uns durch, was aus ihrer Sicht einen guten Coach ausmacht. Am besten gefallen mir dabei drei Eigenschaften: ein neugieriger Forscher sein, respektvoll sein und gutes emotionales Selbstmanagement. Besonders wichtig als Coach ist es, sich im richtigen Moment selbst zurück zu nehmen und auf den anderen zu achten. Schön finde ich die Regelung, die in jedem Coaching gelten sollte:  „Wer mehr redet, der zahlt.“

Die Schritte zum Erfolg: 1, 2, 3, 4

Für ihre Coachings oder auch für das Umgehen mit schwierigen Situationen und Menschen hat Annette Auch-Schwelk ein Vier-Punkte-System entwickelt. Eigentlich wollte sie drei Punkte, weil sich das besser anhört, am Ende wurden es dann doch vier.
In Schritt 1 geht es ums Stabilisieren (sowohl körperlich als auch mental), in Schritt 2 steht Analysieren im Mittelpunkt („Was ist das Gute an der Situation oder an dem Menschen, was lerne ich daraus, was möchte ich ändern, was brauche ich dazu…?), Schritt 3 dreht sich um Unterstützung (Eine Weltmacht mit 3 Buchstaben? I-C-H 😉 Frage Dich: „Was würde mein stärkster Anteil jetzt tun?“ bzw. hole Dir Hilfe von Deinem eigenen Coach) und schließlich Weitermachen in Schritt 4 („Gerade als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling“; eigene Fehler verzeihen, Erfolge feiern und sich selbst loben à la „Gut hosch’s g’macht!“).

Was ist das Gute daran?

Nach dem Mittagessen nähern wir uns der nächsten großen Übung. Jeder identifiziert für sich eine Eigenschaft, die ihn an sich selbst stört. Es folgt ein intensives Gruppencoaching. In einer halben Stunde habe ich so viele anregende neue Sichtweisen erhalten, dass mich diese Eigenschaft schon gar nicht mehr so stört.
Mir geht es ähnlich wie den meisten Teilnehmern, die ganz glücklich und beseelt von ihrer Erfahrung aus dieser Übung erzählen. Sehr intensiv und sehr bereichernd, kann gerne so weiter gehen!
Der Zweck dieser Übung ist es, sich bewusst zu machen, dass jeder Mensch etwas Positives hat und dass jedes Verhalten und jede Eigenschaft etwas Positives hat. Dazu kommt: Wer sich selbst gut kennt, wird nicht so schnell unsicher.

Die drei Coachingphasen

Jetzt ist Zeit für ein bisschen Input vom Flipchart. Besser gesagt, kommt der Input nicht vom Flipchart, sondern von Annette Auch-Schwelk, die am Flipchart die Phasen des Coachings durchgeht. Es gibt drei Phasen mit kurzen und prägnanten Namen: Davor, Während und Abschluss.
Vor dem Coaching hat die Auftragsklärung eine große Bedeutung. Es ist für beide Parteien wichtig, schriftlich festzuhalten, was genau Ziel und Inhalt des Coachings ist und was nicht.
Die Zieklärung ist auch während des Coachings wichtig. Vor jeder Coachingsession sollte der Coach mit dem Coachee klären, was das Ziel für das heutige Coaching ist. Eine gute Frage während des Coachings könnte sein: „Was haben Sie schon umgesetzt?“oder „Was haben Sie aus dem bisherigen Coaching gelernt?“
Zum Abschluss des Coachings gehört es aus Sicht von Annette Auch-Schwelk dazu, Abschied zu nehmen und nicht zu fragen: „Wann sehen wir uns wieder?“ Schließlich sollte jeder Mensch selbst wissen, was gut für ihn ist. Bei Bedarf wird er sich schon wieder an einen erfahrenen Coach wenden. Für sie sind das alles keine festen Regeln. Zum wiederholten Male im heutigen Seminar fordert sie uns auf, unseren eigenen Weg zu finden.

Eine Reise in die Zukunft

Da wir schon so schön vom Coaching plaudern, streut Annette Auch-Schwelk noch eine weitere praktische Übung ein:
In dieser Timeline-Übung, die jeweils zwei Teilnehmer (ein Coach, ein Coachee und umgekehrt) zusammen machen, geht es darum, den Coachee bei der Erreichung eines ambitionierten Ziels zu unterstützen. Dazu leitet der Coach den Coachee von heute in Richtung des Ziels in der Zukunft. Als Hilfsmittel nutzt der Coach dazu gezielte Fragen („Was brauchst Du?“, „Was hält Dich ab?“) und Moderationskarten, die auf dem Boden ausgelegt werden.
Für mich ist das eine grandiose Übung gewesen. Die Erfahrung als Coach und noch viel mehr die als Coachee ist augenöffnend. Mir ist klar geworden, dass ich als Coach auf meine Intuition vertrauen und die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellen kann. Als Coachee habe ich gelernt, dass ich meine Ziele leichter erreichen kann, wenn ich mir bewusst vor Augen führe, was noch zu tun ist und dass ich die Ressourcen für das Erreichen des Ziels bereits in mir trage.
Schritt für Schritt gehts in die Zukunft

Bobele und seine Faust 

Nach der letzten Übung könnte das Seminar für mich schon zu Ende sein. Ich habe jetzt schon so viel gelernt. Doch wir sind noch nicht am Ende. Eine Übung gibt es noch.
Kannst Du Dich noch an den jungen Boris Becker erinnern? Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Seinetwegen habe ich – wie Tausende andere Kinder damals in Deutschland –  mit dem Tennisspielen angefangen. Mich hat vor allem fasziniert, wie dieser Rotschopf aus Leimen sich immer wieder motiviert und zum Sieg gepusht hat. Zum Symbol seines Willens ist die Becker-Faust geworden, die er in schwierigen Situation und bei erfolgreichen Schlägen geballt hat.
In der nächsten Übung dürfen wir nun unsere Becker-Faust finden. Gemeinsam mit einem Coach aus dem Teilnehmerkreis erinnere ich mich an eine schwierige Situation, aus der ich gestärkt herausgegangen bin. Mit meiner Coachin entdecke ich einen körperlichen Anker, der mir in zukünftigen schwierigen Situationen (sofern diese kommen sollten) schnell Energie und Zuversicht geben kann.

Du bist ein Diamant

Kurz vor Ende haben wir Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen an Annette Auch-Schwelk zu stellen. Ich halte mich zurück, schließlich führe ich gleich im Anschluss ein Interview mit Annette Auch-Schwelk und werde ihr dann schon genug Fragen stellen.
Zum Schluss schließt sich der Kreis von heute morgen. Jeder Teilnehmer sagt, was er für sich mitnimmt. Viele Erwartungen sind erfüllt und sogar übertroffen worden, auch mir geht es so. Als Dankeschön erhalten wir einen Annette-Auch-Schwelk-Bleistift, mit einem kleinen Diamanten besetzt. Dies als Erinnerung daran, dass wir alle kleinen Diamanten sind, wie schön!

Fazit

Endlich mal ein so richtig praxisorientiertes Seminar. Vollgestopft mit vielen praktischen Übungen zum Selbstausprobieren nehme ich heute sehr wertvolle Ideen für mich mit.
Besonders gefallen hat mir die Haltung, die Annette Auch-Schwelk transportiert hat. Ihr ist es wichtig, dass wir gut für uns sorgen, uns selbst besser kennen lernen und eigene Techniken entwickeln, um mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Damit kann ich persönlich sehr viel mehr anfangen, als wenn mir die 7 Erfolgsregeln vorgelesen werden. Mit ihrer positiven und gewinnenden Art hat sie es geschafft, eine angenehme und vertrauensvolle Atmosphäre unter den Teilnehmern zu erzeugen, in der jeder dem anderen gerne hilft und ihn bei seinen Zielen unterstützt. So konnten wir auch einen Einblick bekommen, wie es denn so sein könnte, als Coach zu arbeiten.

Jetzt Du

Was sagst Du zu Dir, wenn Du Dich morgens im Spiegel anschaust? Vielleicht ist da noch Luft nach oben…

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